Kommentar

Im Augarten hat die politische Gleichgültigkeit gesiegt

Freiraum

Falter & Meinung | Sibylle Hamann | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Wer sich ein Lehrstück über heimische Kulturpolitik und Stadtplanung anschauen will, muss nur in die U2 einsteigen. Station Taborstraße, gleich hinter dem neuen Bauzaun: Hier wird, unter Polizeischutz, ein Denkmal für die politische Feigheit errichtet. Dem Volk gewidmet, vom Bund und der Gemeinde Wien.

Auf einem Sockel dieses Denkmals steht Bürgermeister Michael Häupl. Wahrscheinlich war er es, der den Sängerknaben und deren Privatsponsor einst versprochen hat, dass sie auf dem Augartenspitz ihre Konzerthalle bauen dürfen. „Moch ma“, wird er gesagt haben, aber jetzt, wo sie’s machen, macht er keinen Mucks.

Auf dem zweiten Sockel steht der Wirtschaftsminister. Er vertritt den Parkeigentümer, den Bund, also uns alle, und man sollte annehmen, dass er uns einen wichtigen Grund nennen kann, warum er ein wertvolles Stück aus unserem Besitz einem Privatverein überlässt. Aber auch der Minister stellt sich tot. Oder versteckt sich hinter seinen Beamten.

Der dritte Sockel gehört allen Kulturministerinnen, die in all den Jahren kommen und gingen. Dass der Bau einer Konzerthalle in einem denkmalgeschützten Park eventuell was mit Kulturpolitik oder Denkmalschutz zu tun haben könnte – auf diese Idee kam keine von ihnen.

Wer hat eigentlich entschieden, ob und wie der Augartenspitz verbaut wird? Aufgrund welcher Kriterien? Und wo genau liegt das öffentliche Interesse bei diesem Projekt? Kein Politiker hat diese Frage je öffentlich beantworten können. Aber die Polizei holen, Barockengerln und Bürger wegräumen und Mobilklos aufstellen – das können sie.


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