Vom Gefängnis in Baden zur Erschießung nach Moskau

Politik | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Stefan Karners Recherchen über Stalins letzte Opfer sind sperrig, interpretationsarm – und dennoch eine Pflichtlektüre

Rezension: Erich Klein

Als die Rote Armee Österreich im April 1945 vom Nationalsozialismus befreit, bringt sie das Sowjetsystem mit. Das – wie es in Moskauer Diktion heißt – von den „faschistischen Besatzern“ befreite Land macht sogleich Bekanntschaft mit wenig heiligen Segnungen: Die zahllosen Plünderungen und Vergewaltigungen konnten noch dem individuellen Verhalten einzelner Rotarmisten zugeschrieben werden, die Verschleppungen österreichischer Bürger durch „die Russen“ wurden jedoch von der Sowjetmacht selbst organisiert und durchgeführt. Der Stalinismus zeigte seine diktatorische Fratze.

Der Grazer Historiker Stefan Karner hat seit der Öffnung russischer Archive zahlreiche Aspekte dieser Anfangszeit der Zweiten Republik aufgearbeitet. In kleineren Studien und generalstabsmäßig angelegten Forschungsprojekten ging es um das Schicksal der Kriegsgefangenen

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