Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

„Herr Schwarz, warum zeigen Sie uns einen Bobo-Spießer?“

Geiz ist schon lange geil, nun liegt auch „konservativ voll im Trend“. Zumindest, wenn man der Werbebotschaft der aktuellen Bank-Austria-Kampagne Glauben schenken darf. Böse Zungen werden fragen, wann konservativ in Österreich denn nicht im Trend lag, doch das führt wohl zu weit.

Die Werbeagentur Jung von Matt/Donau erdachte sich die Kampagne, um der Bank Austria inmitten der Finanzkrise ein neues Image zu verpassen, das laut Thomas Schwarz, dem Executive Creative Director, „Sicherheit und Vertrauen“ ausdrücken soll.

Auf Plakaten, Printsujets und in einem Fernsehspot wird verdeutlicht, wie diese Symbiose aus Jugend und Spießertum aussehen kann. Zu Heimatfilmmusik sieht man zwei Beine in karierter Hose mit Filzpantoffeln an den Füßen; und eine Hand, die nach einer feinen Porzellantasse greift und sie betulich zum Mund führt. Sowohl Beine als auch Hand scheinen einem älteren Semester zu gehören, das es sich zeitunglesend in einem Uroma-Fauteuil bequem gemacht hat. Doch der Schein trügt: Hinter der Zeitung kommt der Kopf eines jungen Mannes zum Vorschein, der die biedere Idylle augenscheinlich genießt.

Wie es diesem Bobo-Spießer gelingen will, bei den Zusehern Vertrauen in die Bank Austria zu erwecken? „Wir wollten spießig mit Augenzwinkern sein“, sagt Creative Director Schwarz, „die Leute sehnen sich in der Wirtschaftskrise nach Sicherheit, deshalb wollten wir dem neoliberalen Größenwahn solide, konservative Werte entgegensetzen.“

Apropos Größenwahn: Insgesamt fünf der eigentlich querformatigen Werbeplakate ragen in Wien seit wenigen Tagen um 90 Grad gedreht im Hochformat in die Luft. Womit das Konservative wieder einmal klar an der Spitze des Fortschritts steht.


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