Wie gedruckt

Pressekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Es ist der Standardschmäh der Weltwoche – zumindest seit Roger Köppel das Blatt leitet: konsequent gegen den Mainstream schreiben. Doch der Justamentantagonismus der Wochenzeitung ist inzwischen so bedingungslos geworden, dass man Gefahr läuft, zur eigenen Parodie zu werden. Geht es eigentlich noch tiefer als in der letzten Ausgabe? Unter dem Cover mit Sacha Baron Cohen als Brüno titelt das Blatt „Warum der Kult um die Schwulen nervt“. Daneben bedient man Ressentiments gegen Jugendliche: „Zu faul zum Arbeiten“. In der dritten Covergeschichte tritt ein Militärforscher an, der erklärt, Frauen seien schuld an den Kriegen der Welt. Ihren sexistischen Zugang krönen Köppel & Co mit einem mehrseitigen Traktat zur Frage: „Darf eine Firmenchefin einfach schwanger werden?“ Bitte, hier wird ein in Dosen unterhaltsames Prinzip überreizt. Die Weltwoche überrascht nicht mehr. Sie ist so vorhersehbar geworden wie eine Lesung mit Otto Schenk. Umso mehr, als jede Geschichte so erzreaktionär verbrämt ist, dass einem das Gruseln kommt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige