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Medien | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Handys mit zwölf Megapixel – purer Schwachsinn

Prüfbericht: Thomas Vašek

Bei manchen Handys fragt man sich, ob es sich eigentlich noch um ein Handy handelt. Und nicht, sagen wir, um eine Musikanlage, eine Spielkonsole oder einen Fernseher. Oder eben um einen Fotoapparat. Das bringt mich zu den neuen Pixelprotzen, die derzeit auf dem Markt posieren. Es gab Zeiten, da waren ein, zwei Megapixel das höchste der Gefühle. Da waren Handys halt noch vor allem fürs Telefonieren da; die Kamera allenfalls für Schnappschüsse. Heute gibt es etwa das Samsung Pixon mit acht Megapixel, von denen meine Digitalkamera nur träumen kann. Doch es geht noch mehr: Das Sony Ericsson Satio kann mit zwölf Megapixel Auflösung plus Xenon-Blitz aufwarten. Und auch LG Electronics will seinem Prototypen LG KC990 (mit dem sinnigen Beinamen Louvre) zwölf Megapixel verpassen. Um es kurz zu machen: Das ist reiner Schwachsinn – und ein weiteres Symptom des auf dem Handymarkt grassierenden Featurewahns. Das Pixelgeprotze erinnert stark an die Zeit, als stinknormale Laptops mit Angaben zur Prozessorgeschwindigkeit beworben wurden. Kein Mensch braucht zwölf Megapixel im Handy oder Smartphone. Mehr Megapixel bedeuten bekanntlich nicht zwangsläufig bessere Fotos – vor allem nicht bei einem derart winzigen Sensor, wie er in Handys eingesetzt wird. Für die 700 Euro, die etwa das Sony Ericsson Satio kostet, bekommt man eine einfache digitale Spiegelreflexkamera – und ein prima Multimediahandy (mit Kamera) dazu.

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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