Der Befreier ließ bei Knize schneidern

Feuilleton | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Die Niederösterreichische Landesausstellung thematisiert das Verhältnis zu den tschechischen Nachbarn

Ausstellungsrundgang: Jan Tabor

Widerwillig oder trotzig, auf jeden Fall auffallend lustlos, erduldet die eine Frau den Wangenkuss der anderen. Falls es überhaupt Frauen sind. Obwohl das Foto scharf ist, wollen manche zwei Männer erblicken, zwei Brüder im Augenblick des unvermeidlichen Sich-Wiederverbrüderns. Der Kampfkuss sei ein klassischer Bruderkuss. Nennen wir die beiden, die da als Träger von brisanten politischen und zugleich höchst emotionellen Botschaften auf Plakaten und Foldern der NÖ Landesausstellung 2009 verpflichet worden sind, einfach Personen. Nicht nur geschlechtlich, auch zeitgeschichtlich und ethnisch lassen sie sich schwer einordnen. Ausgesprochen österreichisch, sudetendeutsch oder tschechisch sehen sie jedenfalls nicht aus.

Eine Person trägt eine Jeansjacke. Die Symbolik der Umarmung bezieht sich also nicht auf all jene gewaltsamen Trennungen und Vereinigungen


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