Knisternde Zukunftsnostalgie: Aus den Urnen der Pariser Oper weht der Hauch der Geschichte

Feuilleton | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Enthüllungsbericht: Carsten Fastner

So schön haben sich das die Herren von der Pariser Oper am 24. Dezember des Jahres 1907 vorgestellt: In einer feierlichen Zeremonie begrub eine befrackte Delegation zwei versiegelte Urnen im Keller des traditionsreichen Hauses. Der Inhalt: je zwölf Schellackplatten mit populären Arien, gesungen von den beliebtesten Interpreten der Epoche, darunter Nellie Melba, Enrico Caruso, Fjodor Schaljapin, Reynaldo Hahn.

Diese Beispiele höchster Sangeskunst, aufgezeichnet mit der avanciertesten Technik der Zeit, wolle man der Nachwelt überliefern, erklärte ein Minister. Genau 100 Jahre später sollten die Urnen wieder geborgen werden. Für alle Fälle – wer weiß schon, was die Zukunft bringt? – legte man die Bauanleitung für ein Grammophon bei.

Was für eine bildmächtige Idee! Der geschichtsbewusste Geist des Historismus verbindet sich da mit dem technischen Stolz und der Zukunftsgläubigkeit der Moderne. Fünf Jahre später wurden noch zwei weitere Urnen


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