Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

U-Bahn-Ärger über Schule, Job und Mutter

Belauschte Telefonate in der U-Bahn sind ein feiner Seismograf städtischer Befindlichkeiten. Wobei auffällt, dass sich die Schwerpunkte im Tagesverlauf ändern: von schulischen (Miss-)Erfolgen am Morgen über berufliche (Miss-)Erfolge untertags bis zu besoffenem Gelalle am Abend. Zum Beispiel vor kurzem, 8.30 Uhr, eine Schülerin bei Kagran zu einer Freundin: „Ja, Deutschschularbeit war (...) Keine Ahnung ghabt, was ich schreiben soll (...) Das Thema? ‚Ein Freund kommt zu Besuch‘ (...) Ich hab dann den Michael genommen. Der war gestern bei mir kiffen.“ Später am selben Tag, Stephansplatz, ein schwitzender Anzugträger, offenbar im Gespräch mit dem Chef: „Jaja, das machen wir (...) Nein, dieses Projekt schaffen wir (...) Nein, nein, kein Problem.“ Noch später, eine 40-jährige Frau, Nestroyplatz: „Mama, ich hab einen Job! (...) Nein, den Kurs brauch ich jetzt nicht mehr (...) Ja, beim Fonds Soziales Wien (...) Übermorgen fang ich an (...) Nein, Mama, den Kurs brauch ich jetzt nicht mehr.“ Immerhin war’s diesmal nur ein kommunikativer Misserfolg.


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