Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens

Kolumnentechnisch war es ein verlorenes Wochenende. Auf einer Alm ohne Mobilfunk, dafür mit Kühen, Coaches und fatalistischen Statistikern war der Alltag in Vergessenheit geraten, und tiefere Einblicke in die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens im Allgemeinen und des Versuches, sich neu zu motivieren, im Besonderen hatten sich aufgetan. Von der Häufigkeit bei Schlaganfällen bei Haustieren war ein Bogen gespannt worden zu nostalgischen Fernseherinnerungen (wir erinnern uns: Flipper starb an einer Herzattacke), zwischen den Zeilen schwang subtile Kritik an Grazer Lokalpolitik. Fast pünktlich Montagmittag ging das Ding in der Redaktion ein. Hätte eingehen sollen. Ist nie eingegangen. Im Stress beschloss die Redaktion, eine zwei Jahre alte Kolumne zu nehmen, was bis auf eine nahe Verwandte und eine Fischverkäuferin am Kaiser-Josef-Markt, die den Steiermarkteil zum Einwickeln von Forellen verwendete, keinem auffiel. Die Fischverkäuferin dachte an einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, der sie zurück ins Jahr 2007 katapultiert hätte, bevor Haider, Jackson und James Brown tot waren, warf dann aber einen Blick auf das Datum und fuhr fort, Forellen einzupacken. Die Verwandte witterte einen Betrug am Konsumenten und folgerte, dass vielleicht die ganze Zeitung voll von Neuabdrucken aus den Archiven sei. Auch und ganz speziell an diese Skeptikerin wollen wir uns wenden, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das wir leichtfertig verspielt haben.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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