Fragen Sie Frau Andrea

Spazieren auf das FußgängerInzone

Kolumnen | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit, für die ausführliche Vorschriften zur „geschlechtergerechten Kommunikation in Texten“ vorgegeben werden. Unter anderem wird vorgeschlagen, Fußgängerzone gendergerecht „Fahrverbotszone“ bzw. „autofreie Zone“ zu nennen. Ich bin der Ansicht, dass dies keine treffenden Synonyme sind. Könnten Sie mir ein wenig über den Begriff Fußgängerzone und Ihre Meinung zum geschlechtsspezifischen Wesen dieses Wortes erzählen? Vielen Dank für Ihre Mühe,

Margit Petermair, per Facebooknachricht

Liebe Margit,

die deutsche Sprache ist bekannt für ihre Schwierigkeiten mit genderspezifisch korrekten Bezeichnungen. Befürworter wie Gegner von geschlechtergerechter Kommunikation stolpern dabei gerne und ausgiebig in die gleiche Falle. Sie verwechseln Genus und Sexus. Wir wollen das am Beispiel Mutter/Butter in Erinnerung rufen.

Mutter hat einen weiblichen Artikel, weil es sich, nach gängigem Verständnis biologischer Zusammenhänge, bei einer Mutter meist um eine weibliche Person handelt. Wir sprechen „die“ Mutter, eine Person mit femininem Sexus, gendergerecht mit dem weiblichen Artikel an. Etwas anders unser Verhalten der Butter gegenüber. Dieser konzedieren wir trotz Mangels an feststellbarem Sexus ein weibliches grammatikalisches Geschlecht. Dass die Franzosen „le beurre“ und die Italiener „il burro“ sagen, macht die Verwirrung nicht kleiner. Von den konservativen Kräften der deutschen Sprache wird ein Begriff wie „Fußgänger“ durchaus genderneutral begriffen.

Der Gebrauch solcher generischen Maskulina bringt aber Genderkonformistinnen und Genderkonformisten regelmäßig auf die/den Palme. Daraus drechseln sie ihre Lanze, ihren Speer: das Binnen-I. Ich begrüße diese Entwicklungen keineswegs und rate zu angewandter Dichtkunst. Die Fußgängerzone, in den 20er-Jahren mit der Kettwigerstraße in Essen und 1953 mit der Treppenstraße in Kassel erstmals verwirklicht, könnten wir nach spanischem Vorbild „pedonale Insel“ nennen oder nach skandinavischem „Gehstraße“. Falls Sie das Gespreizte bevorzugen, biete ich die gendergerechten Neologismen „Fußgehendenbereich“ an, „Gehgürtel“ oder „Fußgangabschnitt“.


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