Neu im Kino

Eine Jungfrau zum Dessert: „Die Gräfin“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Ein paar Tropfen Blut, verursacht durch einen Schlag mit der Haarbürste, den eine herrische Gräfin ihrer Zofe versetzt, sind vieler Jungfrauen Tod. Doch nicht, weil die Magd die Haare der Herrin schlecht frisiert hätte, sondern weil ihr Blut auf deren Haut eine seltsame Verwandlung bewirkt: Erzsébet Báthory sieht sich in ihrem Handspiegel plötzlich um Jahre jünger, ein Umstand, der dem Leben der ungarischen Jungfrauen zu Beginn des 17. Jahrhunderts schlecht bekommt.

In Julie Delpys „Die Gräfin“ („The Countess“) ist diese Szene zugleich Ursache und Erklärung für eine weibliche Schreckensherrschaft, derer sich die Legendenbildung im Laufe der Jahrhunderte dankbar angenommen hat. Báthory, als „Blutgräfin“ in die populäre Geschichtsschreibung eingegangen und angehimmelt, ist heute einer der schönsten schwarzen Sterne der Trivialkultur.

Dass Delpy sich nun weniger für Báthorys Gräueltaten interessiert, sondern diese als psychische Auswüchse einer zurückgewiesenen Frau mit gebrochenem Herzen erkennt, überrascht nicht: Schönheitswahn und Selbstbehauptung in einer politisch intriganten Männerwelt – stellvertretend repräsentiert durch William Hurt – haben hier ein Monster entstehen lassen, das in ein neues Licht gerückt werden soll.

Doch dieser maskenhaft angelegten Figur ist nicht nahezukommen, was nicht nur daran liegt, dass das unglückliche Liebespaar Delpy und Daniel Brühl in einer französisch-deutschen Koproduktion als englischsprechende Ungarn nie zueinander finden. „Die Gräfin“ kann sich bis zum bitteren Ende nicht entscheiden, worauf ihr Augenmerk gerichtet sein soll. Da war die historische Erzsébet Báthory wohl einen Schritt weiter.

Ab Fr in den Kinos (engl. OF im Artis) (


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