KunstKritik

Der Eindeutigkeit zum Trotz

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Ihre Personale bei Camera Austria ist Annette Kelms erste Einzelpräsentation in Österreich. Sonst hat sie schon einiges an renommierten Häusern hinter sich, sei es die Kunsthalle Zürich, die Kunstwerke in Berlin oder das Witte de With in Rotterdam. Die junge Berliner Fotografin muss sich derzeit jedenfalls keine Sorgen über mangelnde Aufmerksamkeit machen. Umso stiller geht es in ihren Bildern zu. An und in ihnen ist nichts sensationell. Kelms Bilder fesseln nicht, sie hinterfragen mit Bedacht und leise. Auch sich selbst im Übrigen. Dazu passt, dass ihre Fotografien manchmal gar nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind. Die Serie der „Big Prints“ etwa bildet Stoffmuster der amerikanischen Designerin Dorothy Draper ab, reproduziert ihre Vorlagen dabei eins zu eins und so detailreich, dass man wohl meinen kann, vor den plan aufgezogenen Stoffen selbst zu stehen. Auf ein bestimmtes Genre hat sich die Künstlerin auch nicht festgelegt. Von der Landschaft bis zum Porträt: Alles kommt in ihrem Werk vor und folgt dann doch nicht ganz der Gattungslogik. Gegenstände werden zwar wie in der Werbung beidseits beleuchtet, als schattenlose inszeniert, dann aber vor den wildesten Stoffmustern in Position gebracht. Ein wie von Karl Blossfeldt vor neutralem Grund platziertes Blatt ist letztlich nicht nur plastisch, sondern eben auch aus Plastik, anderswo geriert ein Papagei sich gar als Falke. Wenn Annette Kelm mit der Erwartungshaltung des Betrachters spielt, dann arbeitet sie am Bildbegriff. Ihre Fotos sollten konzentriert gelesen, ein zweites Mal bedachtsam aufgenommen werden.

Camera Austria, Graz, bis 13.9.


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