KunstKritik

„Akzent Ungarn“: Nostalgie nach Nostalgie

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 29/09 vom 15.07.2009

Als man in den 60er-Jahren versuchte, den politisch zerklüfteten Alpe-Adria-Raum mit Trigon und Internationalen Malerwochen auf immerhin künstlerischer Ebene zu vernetzen, war der Blick dabei vielleicht weniger auf eine Zukunft im vereinten Europa gerichtet als vielmehr nostalgisch verfärbt, suchte die Verwandtschaft nach alter Größe in der Großfamilie ab. Familienähnlichkeiten fanden sich, zumindest in der Malerei, recht schnell. Gemeinsames Arbeiten wirkte befruchtend, lange bevor der Kunstmarkt alle Grenzen, nicht nur nach oben, nivellierte.

Solche Aufbruchszeiten rufen heute wiederum nostalgische Gefühle wach, und die Neue Galerie tut dementsprechend viel zur Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit als maßgeblicher Impulsgeber neoexpressiver Tendenzen. Nach Exjugoslawien und Italien fällt der Blick dieses Jahr mit „Akzent Ungarn“ auf ein weiteres Sammlungssegment, und das strotzt – dem Geschmack des langjährigen Leiters der Neuen Galerie, Wilfried Skreiner, und den aus den Internationalen Malerwochen gewonnenen Schenkungen geschuldet – vor gestischer Malerei, sei sie nun figurativ oder abstrakt.

Christa Steinle und Peter Peer haben das Material thematisch geordnet, zeigen ungarische Versionen mythologischer Inhalte, die politisch recht ambitionierte Rezeption westlicher Pop-Art, konstruktivistisch angeregte Geometrisierungen, schließlich wie international die Sprache gestischer Malerei schon immer war. Was an konzeptueller Kunst oder Vasarelys fehlt, hat Júlia Fabényi aus dem von ihr geleiteten, als Kooperationspartner fungierenden Janus Pannonius Múzeum in Pécs mitgebracht.

Neue Galerie, bis 6.9.


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