Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

So las man es vor Tische, als die soziale Marktwirtschaft erfunden wurde: „Unter dem Gesichtspunkt der Freiheit dürfte die Marktwirtschaft auch dann noch vorzuziehen sein, wenn ihre ökonomischen Leistungen geringer wären als die der Wirtschaftslenkung. Es ist dies, wie wir sehen, in keiner Weise der Fall, aber es scheint doch notwendig, darauf hinzuweisen, dass das letzte Kriterium für eine Wirtschaftsordnung auch im Geistigen ruht und nicht im Wirtschaftlichen allein.“

Das schrieb immerhin der Chefideologe Ludwig Erhards, des Begründers des deutschen Wirtschaftswunders. Weiter: Die Marktwirtschaft „ist nur ein überaus zweckmäßiges Organisationsmittel, aber auch nicht mehr, und es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, der Automatik des Marktes die Aufgabe zuzumuten, eine letztgültige soziale Ordnung zu schaffen und die Notwendigkeiten des staatlichen und kulturellen Lebens von sich aus zu berücksichtigen.“ Diese Notwendigkeiten müssten dem Markt schon von außen auferlegt werden, schreibt der Verfasser.

Im Übrigen ist er, wenig überraschend, ein großer Verfechter der Umverteilung: „Selbst eine hohe Besteuerung zugunsten eines sozial- und staatswirtschaftlichen Konsums ist bei Wahl richtiger Steuerformen eine marktwirtschaftlich durchaus neutrale Tatsache, welche die Nachfragedaten zwar entscheidend verändert, deren Berücksichtigung aber die marktwirtschaftlichen Regeln nicht verletzt.“

Quelle:

Alfred Müller-Armack: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft, 1946, zitiert nach „Wie der Markt wirklich sozial wird“, FAZ vom 11.4.2009


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