Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Warum stört Sie die Glaswand im Gefängnis, Herr Kresbach?

Elmar Kresbach, 50, Verteidiger von Helmut Elsner staunte nicht schlecht, als er kürzlich das „Halbgesperre“ der Justizanstalt Josefstadt betrat. Dort, wo Anwälte mit Beschuldigten ungestört Akten durchgehen können, stand plötzlich eine Glaswand. Kresbach, der sich als Starverteidiger einen Namen gemacht hat, sieht in den neuen Beschränkungen ein ganz grundsätzliches Problem.

Herr Kresbach, warum können Sie mit Helmut Elsner nur noch durch eine Glaswand sprechen?

Nicht nur mit Elsner, sondern mit allen anderen Beschuldigten auch. Früher konnten wir mit unseren Mandanten frei sprechen und Akten analysieren. Nun gibt es eine Glaswand ohne Durchreiche.

Was ist das Problem dabei?

Der anwaltliche Verkehr wird behindert. Die Kommunikation eines Anwalts mit seinem Klienten ist ein wesentlicher Bestandteil eines fairen Verfahrens. Heute muss ich einen Beamten bitten, dass er einem Beschuldigten Akten überreicht. Das ist unzumutbar und ein Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention.

Was war der Anlass für die Beschränkung?

Es gibt Gerüchte, dass Anwälte Beschuldigte dabei halfen, Kassiber hinauszuschmuggeln. Das wäre schlimm, doch es kann nicht so weit gehen, dass alle Strafverteidiger nun unter Generalverdacht gestellt werden. Es herrscht eine Sippenhaftung, die dem Rechtsstaat abträglich ist. Wenn ich Beschuldigten Akten überreiche, stehen nun Beamte in der Nähe.

Wie geht es eigentlich Herrn Elsner im Gefängnis?

Gesundheitlich nicht besser. Er sitzt zweieinhalb Jahre in U-Haft. Ich glaube, dass man an ihm ein Exempel statuieren will. Herr Elsner ist ja noch nicht rechtskräftig verurteilt. Außerdem: Blicken Sie einmal auf all die Spekulanten, die dieser Tage auffliegen, etwa bei der Bundesfinanzierungsagentur. An solchen Geschäfte ist Elsner nicht angestriffen. Interview: Florian Klenk


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