Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Claudia Weber | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel: René Granigs Nöte

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, so beschreibt der Sozialhilfeempfänger René Granig aus Wien seine Situation. Er ist einer von 213.612 Sozialhilfebeziehern und geriet dennoch in Not. Weil er und sein dreijähriger Sohn Tyler aufgrund einer Umstellung der Zahlungsmodalitäten des Sozialamts drei Wochen auf das Geld warten müssen, ging er am Montag vergangene Woche vor das Parlament, um zu demonstrieren. „Ich weiß nicht, wie ich uns in der nächsten Zeit ernähren soll“, sagt Granig. Keinen Cent habe er mehr zur Verfügung. „Ich schaffe es immer irgendwie, aber jetzt geht es um mein Kind.“ Beim Sozialamt habe man nur mit der Achsel gezuckt. Sogar als er vor dem Parlament sein Transparent entrollte, habe kaum jemand reagiert. Kein Politiker und kein Passant. „Ich fühle mich von allen Seiten in Stich gelassen“, sagt Granig. Aufgeben will er trotzdem nicht. „Ich will Arbeit finden“, sagt er, „aber zuerst brauche ich etwas zu essen.“


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