Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Warum verkaufen Sie Ihre Politik mit Sex, Herr Kurz?

Sex sells“ ist einer der bekanntesten Werbegrundsätze überhaupt. Wissenschaftler bezweifeln zwar seine Richtigkeit, was aber nichts daran ändert, dass wir täglich mit den Bildern halb bis ganz nackter Menschen konfrontiert werden. Tierschutzorganisationen ziehen weibliche Models aus, die lieber nackt als mit Pelz posieren, und der „Coke-Light-Man“ wirbt mit seinem trainierten Oberkörper.

Auch die Junge Volkspartei (JVP) Wien will in ihrer neuen Sommerkampagne die Reize spärlicher Bekleidung nutzen, um ihre Forderung nach Nacht-U-Bahnen am Wochenende zu verbreiten. Ein Schild mit der Aufschrift „24 h Verkehr am Wochenende“ und einem U-Bahn-Zeichen verdeckt die Brüste einer Dame, die bis auf enge Jeans-Shorts entblößt ist.

Das Foto ist weder besonders ästhetisch, noch ist das Wortspiel mit dem „öffentlichen Verkehr“ originell. Sehr originell hingegen sind die Reaktionen der SPÖ und der Grünen, die die JVP des Sexismus zeihen, weil ein anderes Sujet der Kampagne einen Mann zeigt, dessen Oberkörper nicht nackt, sondern mit einem Muskelshirt bekleidet ist. Laut Wiens SP-Frauensekretärin Nicole Krotsch tritt die JVP „die Werte der Gleichberechtigung mit Füßen“; die grüne Gemeinderätin Claudia Smolik sprach von „plump und klar sexistisch“.

So viel Aufregung um einen nackten Bauch erlebte Wien schon lange nicht mehr. Was wohl auch daran liegt, dass die Forderung nach einer Nacht-U-Bahn am Wochenende sehr populär ist. JVP-Obmann Sebastian Kurz will den Sexismusvorwurf nicht nachvollziehen und freut sich, dass der Kampagne nun so viel Öffentlichkeit zukommt. Unterstützung gibt es auch von der Mutterpartei. Theresa Philippi, geschäftsführende Landesleiterin der Wiener ÖVP-Frauen, sagte zum ORF: „Die Kampagne trifft genau ins Schwarze.“


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