Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Joseph Gepp | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Donnerstagnacht rappelt sich der ORF oft zu dem auf, was er in besten Momenten sein könnte, wenn er es nur sein wollte. Da wird er plötzlich intelligent, frech und witzig, wie es ihm kaum jemand im deutschen Sprachraum gleichtun kann. Außer im Sommer. Denn dann machen Humoristen offenbar Urlaub, und eine Collage an lieblos zusammengestelltem Archivmatsch ersetzt das frisch produzierte Fernsehkabarett. In solchen lauwarmen Sommernächten greifen routinierte Fernsehkonsumenten (dem heimischen Staatsfernsehen selbstverständlich treu bleibend) auf Fremdproduziertes zurück. Zum Beispiel auf „Little Britain“, gleich im Anschluss. Das ist genialer Humor. Das straft alle Lügen, die den Verfall von Fernsehkultur beklagen. Denn vor 30 Jahren war wahrscheinlich auch nur weniges im Programm richtig gut. Und jetzt nimmt sich „Little Britain“ gesellschaftliche Typen so subtil und brachial zugleich vor, dass es eine Wohltat ist. Humor als Befreiung. Und das in Originalsprache. Und das im Staatsfernsehen. Hierfür: Danke, ORF.


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