Im Wachsfigurenkabinett der italienischen Macht

Feuilleton | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Die Satire „Il Divo“ fächert konfus, aber kurzweilig das dubiose Netzwerk des Politikers Giulio Andreotti auf

Filmkritik: Joachim Schätz

Die Macht verschleißt nur den, der sie nicht hat“, lautet ein berühmter Ausspruch Giulio Andreottis, und die Karriere des italienischen Christdemokraten liest sich wie ein Beleg dafür: Seit 1946 sitzt Andreotti ohne Unterbrechung im Parlament zu Rom (seit 1991 als Senator auf Lebenszeit), 25-mal bekleidete er ein Ministeramt, siebenmal führte er die Regierungsgeschäfte.

Nach vielen Korruptionsvorwürfen und gescheiterten Immunitätsverfahren wurde er Mitte der 90er der Mitwirkung in einer mafiösen Vereinigung und des Auftrags zum Mord angeklagt, in letzter Instanz aber freigesprochen.

Auch der über 70-jährige Andreotti der frühen 90er, den Tonio Servillo in „Il Divo“ gibt, schaut gar nicht verschlissen, sondern gut konserviert aus: nicht zwangsjugendlich wie sein gelifteter Nachfolger Silvio Berlusconi, sondern eher alterslos wie eine

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