Nüchtern betrachtet

Was man sagt, das ist man selber

Feuilleton | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

An der Psychoanalyse ist nichts wahr als ihre Übertreibungen“, hat ein notorischer Schlauberger einmal geschrieben. Und in der Tat, das Bonmot ist zu gut, um nicht wahr zu sein. Meine Auffassung von Psychoanalyse lässt sich in einem nicht ganz so eleganten Satz zusammenfassen, der indes durch seine überbordende Schlichtheit besticht und schon allein deswegen wahr ist, weil er aus dem Mund von Kindern kommt: „Was man sagt, das ist man selber!“ Er wird darüber hinaus durch langjährige wald-und-wiesen-psychologische Feldforschungen meinerseits erhärtet. Nichts sieht man dem anderen so schwer nach wie die eigenen Fehler. So ist zum Beispiel der Chefredakteur des Falter seit Jahrzehnten damit befasst, der Redaktion die eigenen Jugendsünden auszutreiben. Nicht, dass diese davor gefeit wäre, historische Irrtümer noch einmal zu begehen, aber den Bußpredigten, die sich im Rahmen von Redaktionssitzungen


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