Stadt der Wunder: Wo man in Wien Heilige und andere Gespenster trifft

Stadtleben | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Katholizismus ist Theater. Und ganz Wien ist eine große Bühne. Zumindest war das jahrhundertlang so, bis die Segnungen der Moderne dem Spuk ein Ende bereiteten. Einst wundertätig genannte Orte sind heute fast vergessen. Hier eine Auswahl der Wiener Wunder:

Das Agnesbründl 80 Meter nördlich der Stadtgrenze, hinter dem Gasthaus zum Agnesbrünnl auf der Jägerwiese tritt eine kleine Quelle aus dem Hang des Hermannskogels. Früher soll sie aus den Wurzeln einer uralten Buche entsprungen sein, man vermutete die Nähe der bei der Bevölkerung sehr geschätzten Waldfee Agnes und die Möglichkeit, aus der Quelle die Lottozahlen lesen zu können. Aus dem Agnesbründl wurde bald ein beliebtes Wahrsagerzentrum mit einigermaßen wildem Treiben. Bunte Bänder in den Bäumen ringsum beweisen, dass die Quelle nach wie vor nicht nur von Mountainbikern frequentiert wird.

Das Blutwunder der Januarius-Kapelle Der 305 enthauptete Märtyrer Januarius ist vor allem aufgrund des mehr oder weniger jährlichen „Blutwunders“ bekannt, bei dem sich in der ersten Maiwoche und am 19. September sein in Reliquienampullen gesammeltes Blut verflüssigen soll. In der Ungargasse 69 gibt es ebenfalls eine Januariuskapelle mit einer solchen Reliquie.

Der Speer am Himmel Ein Himmelszeichen, das Christa Tuczay als typisch wienerisches Phänomen bezeichnet und das 1503 von Jakob Mennel aus Freiburg in seinem Buch über Wunderzeichen festgehalten wurde. Zeitgenossen wie der Augsburger Chronist Wilhelm Rem standen speziell Wiener Wundererscheinungen eher skeptisch gegenüber und nannte schon damals den „guten Osterwein“ als mögliche Ursache.

Der Augensegen Jeden 27. Juni wird in der Mariahilfer Pfarrkirche der „Augensegen“ erteilt. Dafür kommt extra der Wunder wirkende Ring der heiligen Hemma aus dem Kloster im Kärntner Gurk nach Wien. Ein Hotspot für Sehschwache.


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