Kritik

Das Theater und das Geld: Schmierna ist überall

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Im vergangenen Jahr gerieten Adi Hirschal und sein Lustspielhaus ins Visier des Kontrollamts. Vom ursprünglichen Plan, in den Bezirken Komödien fürs Publikum zu spielen, war nicht mehr viel übriggeblieben. Die Eintrittspreise hatten ein stattliches Niveau erreicht, wie auch die Gagen, die sich der Direktor auszahlen ließ. Und gespielt hat die Wanderbühne bislang fast nur im ersten Bezirk.

Der vom Standard publik gemachte Kontrollamtsbericht bildet nun den Subtext zu „Der Impressario von Schmierna“, einer Posse mit Gesang von Franzobel. Der bediente sich – neben einem Schuss Gogol und seinem „Revisor“ – vor allem bei Goldoni und seiner Komödie „Der Schauspieldirektor aus Smyrna“ (1759). „Dieses Stück war eine umfassende, tiefgreifende Kritik an der Unverschämtheit der Schauspieler und der Indolenz der Theaterdirektoren“, erinnerte sich Goldoni später. „Es hatte vollen Erfolg.“

Auch Vielschreiber Franzobel wird es gereizt haben, ein Stück über das Theater zu machen. Und zwar nicht nur über das Theater an sich und die sattsam bekannten Eitelkeiten der Zunft, sondern ganz konkret über die Bühne, auf dem es gespielt wird. „Der Impressario“ ist auch ein Stück über Hirschal und seine Finanzgebarung. Wenn er in der Rolle des Alpheus Poidlstayn das Schwarzgeld säckeweise bunkert, kann man ihm das durchaus als Selbstironie anrechnen.

Steigt man von der Metaebene runter, erweist sich der Abend aber nur als derb-doofes Lustspiel mit stotterndem Pointenmotor und einem Ensemble (u.a. mit Florentin Groll und Hirschals Tochter Maddalena), das darob echt nicht zu beneiden ist. Das Lustspielhaus bietet hier – nein, es ist eine bizarre Show.

Wiener Lustspielhaus, Fr, Sa, Do 20.00


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