Neu im Kino

„Che — Guerilla“, ein Revolutionär verschwindet

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Von einem Tag auf den anderen sei Che Guevara 1965 verschwunden, erklären Zwischentitel zu Beginn. Kurz darauf absolviert der kubanische Revolutionsführer und linksradikale Posterboy seine ersten Filmszenen in gar unrevolutionärem Aufzug: Getarnt im Diplomatenanzug und mit rasierter Halbglatze reist Guevara nach Bolivien ein, wo er 1967 im Zuge seines Guerillafeldzugs sterben wird.

Eine Ikone verschwindet: So lässt sich „Che – Guerilla“, der zweite Abschnitt von Steven Soderberghs unorthodoxem Biopic, überhaupt zusammenfassen. Erzählte Teil eins („Revolución“) in farbsatten Cinemascope-Tableaus von Guevaras Weg zum ruhmreichen Comandante, so geht es in dieser Chronik seiner erfolglosen Bolivien-Kampagne in mehrfacher Hinsicht darum, das Mythische, Legendäre an Che demonstrativ auszublenden: Weder das bekämpfte Regime samt CIA-Beratern noch die Rebellen wollen publik machen, dass Guevara in Bolivien kämpft, und Soderbergh selbst bemüht sich, dessen letzte Lebensmonate abseits naheliegender Psychologismen im Porträt eines scheiternden revolutionären Projekts aufzulösen: Die lokalen Kommunisten verweigern ihre Unterstützung, die Landbevölkerung kann nicht überzeugt werden, die Truppenmoral sinkt.

Von ausgeklügelten motivischen Spiegelungen bis in die visuelle Gestaltung hinein – blasse, blaustichige Farbpalette und verzitterte Handkamera – legt Soderbergh „Guerilla“ als düsteres Komplementärstück zum feierlichen ersten Teil ein: Eine Sichtung der beiden Filme in knapper Reihenfolge empfiehlt sich. Im Gegensatz zum extratrockenen Teil eins erreicht „Guerilla“ aber eine dramatische Dichte, die ihn auch ohne diesen Reflexionsbogen funktionieren lässt. Empfehlung!

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbau)


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