Noch im Kino

Eine Jungfrau zum Desert: „Die Gräfin“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 30/09 vom 22.07.2009

Die paar Tropfen Blut, verursacht durch eine herrische Gräfin, die ihrer Zofe mit einer Haarbürste ins Gesicht schlägt, sind vieler Jungfrauen Tod. Doch nicht weil die Magd die Haare der Herrin schlecht gekämmt hätte, sondern weil ihr Blut auf deren Haut eine seltsame Verwandlung bewirkt: Erzsébet Báthory sieht sich in ihrem Handspiegel plötzlich um Jahre jünger, ein Umstand, der dem jungfräulichen Leben in Ungarn zu Beginn des 17. Jahrhunderts schlecht bekommt. In Julie Delpys „Die Gräfin“ ist diese Szene zugleich Ursache und Erklärung für die Schreckensherrschaft der „Blutgräfin“, derer sich die Legendenbildung dankbar angenommen hat. Dass Delpy sich weniger für Báthorys Gräueltaten interessiert, sondern diese als psychische Auswüchse einer zurückgewiesenen Frau mit gebrochenem Herzen erkennt, überrascht nicht sehr: Schönheitswahn und Selbstbehauptung in einer politisch intriganten Männerwelt haben hier ein Monster entstehen lassen, das in ein neues Licht gerückt werden soll

Weiterhin in den Kinos (engl.OF im Artis)


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