Glosse

Daniel Kehlmann bekam in Salzburg Applaus von der richtigen Seite

Salzburger Festspiele

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann bekam für seine Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen viel Applaus. Er hatte gegen das Regietheater vom Leder gezogen, was in der Südkurve des Bildungsbürgertums etwa so mutig ist wie die Forderung nach der Selbstständigkeit Südtirols beim Parteitag der FPÖ. Er argumentierte, dass das Regietheater „zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologien degeneriert“ sei. Als wäre es ein in DDR-Labors gezüchteter Pilz zur Korrumpierung korrekter Klassikerpflege. Die Namen von Regisseuren nannte er nicht, außer jenen seines 2005 verstorbenen Vaters Michael Kehlmann, der ob seines werktreuen Inszenierungsstils in Ungnaden gefallen sei. Die Treue zum väterlichen Werk hätte der Sohn auch ohne billiges Regietheaterbashing demonstrieren können.


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