Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

„Warum werben Sie mit dem ‚Mohren‘-Eis, Frau Höfferer?“

Eine Eiswerbung hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Es geht um die Frage, ob das Wort „Mohr“ rassistisch ist. Den Anstoß gaben Plakate der Firma Eskimo, die ihre neue Eissorte „Mohr im Hemd“ mit den Worten „i will mohr!“ bewirbt.

Die Black Community fühlt sich durch den Begriff „Mohr“ verletzt. „Solche Wörter sind für Schwarze im deutschsprachigen Raum eine der schwersten Beleidigungen. Wenn sie das einfach plakatieren, das wiederholt die Stereotype“, sagte Simon Inou vom Verein M Media dem Radiosender FM4.

Die Plakatkampagne stammt aus Deutschland. Sie wurde von den Werbern der Agentur Oglivy entwickelt. Aber weder die Werber noch die Geschäftsführung im Unilever-Konzern, zu dem Eskimo gehört, waren zu einem Interview bereit. Unilever-Pressesprecherin Karin Höfferer betont jedenfalls, dass der Konzern die Verärgerung der Community bedauert. „Wir haben sowohl das Produkt als auch das Werbesujet vorab in Marktforschungen getestet und positive Konsumentenreaktionen erhalten.“ Dass das „Mohr im Hemd“-Eis als rassistisch angesehen werden könnte, sei niemandem aufgefallen.

In der Tat löst der „Mohr im Hemd“ verschiedene Reaktionen aus: Für die einen ist es einfach eine harmlose, traditionelle Süßspeise. Für die anderen schwingt darin auch der Rassismus der Kolonialgeschichte mit. Wie problematisch ist der „Mohr“ aus linguistischer Sicht? Historisch leitet sich der Begriff von den Mauren in Nordafrika ab. „Die Herkunft des Wortes ‚Mohr‘ mag interessant sein, ist aber für das Hier und Heute nicht ausschlaggebend“, meint die Sprachwissenschaftlerin Verena Krausneker von der Uni Wien. Ob ein Wort verletzend ist, hänge nicht nur von seiner Geschichte ab, sondern einfach davon, ob es Menschen als beleidigend empfinden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige