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Pressekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Wie der Standard schrieb, berichtete der Kurier bereits über den Premierenabend von Quentin Tarantinos neuem Streifen „Inglourious Basterds“, bevor dieser Abend noch angebrochen war. Dieser kreative Umgang mit künftig Eintretendem wurde von Standard-Redakteur Thomas Rottenberg zu Unrecht gerügt. Rottenberg unterschätzt nämlich die Dimension und Bedeutung einer derart vorausschauenden Methode. Lästig für die Arbeit des Journalisten ist bekanntlich die Unberechenbarkeit des Geschehens. Ständig ereignet sich kurz vor Redaktionsschluss irgendwo ein Unglücksfall, detoniert eine Autobombe, verspekuliert sich ein korrupter Manager oder bricht das Unerhörte aus einem Politiker hervor. Zum Aus-der-Haut-Fahren ist das. Sich endlich dem Diktat der Nachrichtenlage zu entschlagen ist deshalb der geheime Wunsch eines jeden gestressten Reporters. Mit ein bisschen Fantasie nach vorne zu blicken, nicht dem Gestern hinterdreinschreiben, sondern bereits heute das Morgen zu umreißen, hat doch auch eine Qualität. Oder?


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