Der nackte Wahnsinn

Feuilleton | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Der Belgier Jan Fabre sagt der Political Correctness den Kampf an. Das ist bitter. Und überraschend lustig

Vorbericht: Christoph Wurmdobler

Männer und Frauen masturbieren, was das Zeug hält, die Hände tief in weißen Rippstrickunterhosen vergraben. Im Nacken der Athleten: fiese Trainer mit Peitsche, die sie zu Höchstleistungen und Fake-Orgasmen antreiben.

Der Wichswettbewerb ist einigermaßen grotesk. Wenig später werden sich die Damen und Herren im modischen Partisanenlook auf Ledersofas räkeln und im lockeren Plauderton verbale Tabubrüche begehen. Sie werden Bisexuelle, Moslems, Juden attackieren, die Zuschauer und schließlich den Regisseur dieses Schauspiels selbst: „Fuck you all!“

Dass in „Orgy of Tolerance“, dem jüngsten Streich des belgischen Allroundkünstlers Jan Fabre, nicht die Körpersäfte spritzen, sondern der Witz, ist ungewöhnlich. Immerhin geht es bei Fabre, seit Jahrzehnten gleichermaßen in der internationalen Kunst- und Theaterwelt eine Größe, häufig


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