Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Mistkübel in der Stadt der Bewusstseinsbildner

Wien ist nicht nur die sicherste, sauberste, öffentlich besterschlossene und überhaupt allerbeste Stadt dieses Planeten, sie ist auch – und das wissen nur wenige – die Welthauptstadt des Politmarketings. Da können andere Städte nur vor Neid erblassen. Denn der Wiener schätzt nicht nur seine pünktliche U-Bahn, er weiß auch, wem er all das zu verdanken hat. Es wird ihm ja recht oft gesagt. Zum Beispiel seit kurzem auf sämtlichen Mistkübeln. Dort picken jetzt flotte Sprüche wie „Bitte füttern!“ oder „Bin für jeden Dreck zu haben“. Das soll wohl das Bewusstsein für richtige Abfallentsorgung steigern. Aber dass der vom 1-Euro-Tequila umnachtete Schwedenplatz-Flaneur seine Bierdose eines solchen Spruches wegen ordnungsgemäß entsorgt, darf bezweifelt werden. Also steigert es in zweiter Linie den Bekanntheitsgrad von Umweltstadträtin Ulli Sima, die die Aktion initiiert hat. Und wie das genau funktioniert, erleben Sie, liebe Leser, gerade jetzt, in diesem Moment. Werbemenschen dieser Welt, schaut nach Wien! Hier könnt ihr noch einiges lernen.


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