Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Fahrt doch selber öffentlich!

Die Debatte um die Umweltzone, die ab Frühling in Graz gegen den Feinstaub eingeführt werden soll, sorgt für dicke Luft. Für alte Dieselautos mit hohem Schadstoffausstoß könnte es dann nämlich heißen: Draußen bleiben! Die Wirtschaftskammer spricht von Millionenschäden für die Wirtschaft, es kursierten bereits überhöhte Schätzungen, nach denen acht von zehn Autos betroffen wären.

Klar ist, dass etwas geschehen muss: In der Feinstaubstadt Graz sterben Menschen im Schnitt um 17 Monate früher. Alle bisherigen Maßnahmen brachten nicht die gewünschten Erfolge. Das Umweltbundesamt in Deutschland, wo es Umweltzonen bereits gibt, sagt, dank der Zonen könnte man 25 Überschreitungstage verhindern – in der Endstufe, bei wenigen Ausnahmen.

Nach neueren Berechnungen würde das bedeuten, dass jedes zweite steirische Auto über kurz oder lang nicht mehr in die Umweltzone hineinfahren dürfte. Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (SP) und die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) deuten Ausnahmen an, ohne sie zu konkretisieren. Rücker überlegt zudem als Ausgleich sozial gestaffelte Tarife für Öffis. Sollen also jene, die es sich leisten können, in ihren schadstoffarmen Autos durch die Stadt düsen, während sich der Rest in den Bussen auf die Zehen steigt?

Der Umweltlandesrat gibt übrigens an, selbst nur etwa drei Mal im Jahr mit der Bahn zwischen seiner Heimatstadt Kapfenberg und Graz zu pendeln. Dabei fährt der Zug auf dieser Strecke regelmäßig, bis spät in der Nacht, und braucht nur eine Dreiviertelstunde. Die Bewohner vieler Grazer Umlandgemeinden können von derart guten Verbindungen nur träumen.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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