Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Sonn- und Feiertagsentleerung

Dass Briefträger durch ihren Beruf zu regelmäßigem Sex kommen, stimmt nur in schlechten Witzen, Bukowski-Romanen und der allerersten, durchaus zu Recht legendären Kottan-Folge. Trotzdem umweht die Postzustellung noch ein Rest von Aura vergangener Bedeutung. Als die Drucktechnik mit Verspätung im 18. Jahrhundert in Nordamerika ankam, folgten auf dem Fuße das Zeitungs- sowie das Postwesen und damit der Keim der Unabhängigkeitsbewegung. Der völlig verdient vergessene Film Postman mit Kevin Costner zeugt davon. Unter Einsatz des Lebens kämpfen Briefträger hier für ihre Sendungen und damit die Neugründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Heute wird die Postverteilung oft von nur teilweise motivierten Zustellern im Nebenjob erledigt, die eigentlich lieber medizinisch-technische Assistenten wären, aber auf die nächste Aufnahmsprüfung warten müssen. So ist die Geschichte der Post seit dem Monopol der Familie Thurn und Taxis im 15. Jahrhundert eine Geschichte des Niedergangs und der Zersplitterung. Der Markt wächst nicht mehr und wird trotzdem 2011 vollkommen liberalisiert. Ein Volksbegehren zur Stärkung der Post wurde perfiderweise ins Sommerloch geschoben und liegt deshalb gerade jetzt bei den Grazer Bezirksämtern auf. Es trägt den Titel „Stopp dem Postraub“ und erinnert uns freundlicherweise damit noch mal an den großen Räuber Ronald Biggs, der mit den Sex Pistols das Lied „No One Is Innocent“ aufgenommen hat.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige