Tipp Musiktheater

Das Alter, die Hölle: Don Giovanni an der Wien

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Mit W.A. Mozarts Don Giovanni ist dem britischen Regisseur Keith Warner 2006 im Theater an der Wien einer der besten Beiträge des Wiener Mozartjahres gelungen – der nun zu Recht wieder aufgenommen wird. Warner hatte sich für die selten gespielte Wiener Fassung (ohne Schlussensemble) entschieden und verlegte die Handlung rund um den Erotomanen, weitgehend stimmig, in ein modernes Hotel (Bühne: Es Devlin). Mit viel Witz und Rasanz betonte er – neben aller Tragik – die zahlreichen komödiantischen Momente des Stücks. Und er rang dem Klassiker sogar eine neue Schlusspointe ab: In der letzten Szene vor der berühmten Höllenfahrt zeigt er Don Giovanni als alten Mann. Graues Haar, faltiges Gesicht, zittrige Hände – das muss für den Frauenhelden schon die wahre Hölle sein. Schade nur, dass Warner diesen Knalleffekt mit unnötig viel Splatterblut gleich wieder zerstört.

Vom sängerisch und schauspielerisch glänzenden Ensemble der Premiere bleibt nun bei der Wiederaufnahme nur Hanno Müller-Brachmann als Leporello; Erwin Schrott übernimmt den sexy Giovanni und Véronique Gens die Donna Elvira. Das turbulente Bühnengeschehen wird wieder vom RSO Wien begleitet; am Pult steht diesmal mit Rinaldo Alessandrini ein Experte der historischen Aufführungspraxis.

Theater an der Wien, Sa, Di, Do 19.00

weitere Vorstellungen: 8., 11. u. 14.8., 19.00


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