Kritik

Ein Kapitel heimischer Kunstgeschichte

Lexikon | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Die Trennung von nichtfigürlich und figürlich sei stumpfsinnig, sagte Josef Mikl einmal. Und malte abstrakte Kompositionen, deren Bezug auf Gegenständliches sich meist nur mehr aus den Bildtiteln erschließen ließ. In diesem Sommer wäre der im März 2008 verstorbene Künstler 80 Jahre alt geworden. Anlass für die Galerie Exner, diesem wichtigen österreichischen Protagonisten der informellen Malerei eine Gedenkausstellung zu widmen.

Gemeinsam mit Hollegha, Prachensky und Rainer gründete Mikl 1956 die Gruppe Galerie St. Stephan, die eine wichtige Plattform für die Avantgardekunst der Nachkriegsjahre war. Parallel zu den internationalen Strömungen des Informel und des abstrakten Expressionismus entwickelte Mikl ein wesentliches Kapitel österreichischer Malereigeschichte mit. Zu seinen wohl prominentesten Werken zählt das riesige Deckengemälde im Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg.

Mit Malereien, in denen Gelb-, Orange- und Rottöne dominieren, führt die Ausstellung die signifikante Leuchtkraft von Mikls Arbeiten vor. Ebenso wirkungsvoll verstand er auch mit Pastelltönen und Tusche umzugehen. Dem Genre des Stilllebens waren zahlreiche Werkkomplexe gewidmet. Das bestimmende Thema war jedoch der Körper. Nicht um eine emotionale oder psychische Bestandsaufnahme ging es dem Künstler hier, sondern um das Erfassen und Abstrahieren physischer Strukturen. Kurz vor seinem Ableben gab Mikl noch einen Katalog in Auftrag. Er vermittelt das Bild eines bis zuletzt regen Geistes, der sich nicht nur bild- sondern auch wortstark mitzuteilen verstand. MJ

Galerie Wolfgang Exner, bis 12.9.


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