Neu im Kino

Selbstfindung per Perkussion: „Zhan, gu“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Kenneth Bis „Zhan, gu – Die Reise des chinesischen Trommlers“ hat mit tarantinoidem Bastardkino nix zu tun und ist trotzdem eine der eigenartigeren Genremixturen des Sommers: Unbeirrbar changiert Bis Zweitlingsfilm zwischen verschwitztem Hongkonger Unterweltthriller und verschmitzt buddhistischem Selbstfindungsgleichnis.

Die Handlung: Weil er einem mächtigen Boss die Freundin ausgespannt hat, wird der ungestüme Gangsterfilius Sid zu seinem eigenen Schutz in die taiwanesische Provinz verbannt. Dort nimmt den gelangweilten Jugendlichen eine renommierte Truppe von Zentrommlern in ihre Berg-enklave auf: Es folgen kleine Prüfungen vor prächtiger Naturkulisse, ein gelassen erzählter Reifungsprozess und ein forciert dramatischer letzter Akt in Hongkong, der Trommler- und Mobsterplot auch nicht recht zusammenzwingen kann.

Charmant ist die Heterogenität beim Schauspiel: Während Hongkongstar Tony Leung Ka Fai („Election“) als impulsiver, roher Gangsterboss mit routinierten Gesten große Mafiaoper macht, ist Sid-Darsteller Jaycee Chan (der Sohn Jackies) in einer seiner ersten dramatischen Rollen dankenswert unaffektiert; ebenso die Mitglieder der taiwanesischen Perkussionsgruppe U-Theater, die als Zentrommler quasi sich selbst verkörpern.

Spannender wäre es wohl gewesen, die Performances dieser Truppe öfter unkommentiert ins Bild zu rücken, anstatt ihre ungeheuerliche Wirkung immer wieder durch meditative Soundsoße und prätentiöse Dialogsätze zu beschwören. Bis uns eines Tages ein gültiges Meisterwerk über die spirituell reinigende Kraft des Maultrommelns oder Alphorn-blasens erreicht, wird dieses diszipliniert erzählte Drama aber wohl reichen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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