Buch der Stunde

Lexikon | Ulrich Rüdenauer | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Als Wolfgang Koeppens Romane „Tauben im Gras“, „Das Treibhaus“ und „Der Tod in Rom“ in den 50er-Jahren in kurzer Folge erschienen, war dies eine Befreiung: Stilistisch distanzierten sie sich sowohl von den restaurativen Tendenzen als auch von der sogenannten Kahlschlag-Literatur. Koeppen griff auf die ästhetische Moderne zurück. Gleichzeitig hielt er der frühen Bundesrepublik einen Zerrspiegel vor, in dem man all die verlorenen Illusionen, die Fratzen und Verrenkungen der unmittelbaren Nachkriegszeit beobachten konnte: alte Nazis und neue Rassisten, Wohlstandsgewinnler und Opportunisten, Idealisten und Resignierte. Statt einen Neubeginn fand Koeppen Kontinuität. So gesehen passen die Romane nicht so recht ins Begleitprogramm der Jubelfeiern zum 60-jährigen Bestehen der BRD – und sie passen eben doch ganz genau. So dachten wohl auch die Redakteure von SWR, HR und WDR, die die Produktion der drei Romane als Hörspiele gestemmt haben. Ausgewiesene Meister des Genres, Walter


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