KunstKritik

Aneignung in Neonfarbe

Steiermark | aus FALTER 31/09 vom 29.07.2009

Seit ein Maler, dem seine Farben zu sehr stanken, so dreist war, ein gekauftes Urinal als eigens und eigen geschöpftes Werk unter fremdem Namen in eine Ausstellung zu reklamieren, weiß es die Kunstgeschichte genau: Auch die Aneignung von Vorgefundenem kann kreativ sein. Besonders dann, wenn sie sich an den appropriierten Dingen auch noch sichtbar niederschlägt wie bei Flora Neuwirth, die seit Jahren auf die subtile Verweiskraft der nicht wenig grellen Farben des digitalen Drucksystems – auf Cyan, Magenta, Gelb und Pantone Grün also – vertraut, um die von ihr in das sogenannte Kunstsystem eingebrachten Gegenstände sowohl ihrem ureigensten Œuvre als auch gleichzeitig dem medialen Zeitalter erkennbar einzuschreiben. Eugen Lendl, in dessen Galerie sie die Ausstellung „Nirosa“ bestreitet, war so frei und hat ihr zu diesem Zweck gleich einen Stapel ausgemusterter Heliogravüren aus der hauseigenen Sammlung an Druckwerken der Berliner Reichsdruckerei vorgelegt. Und sie war so frei und hat die alten Stücke entsprechend angepatzt, womit sogar aus einem Cranach noch etwas Grünes und Zeitgemäßes wird. Dezenter ging sie bei der Anverwandlung einer auf eBay entdeckten Kleintier-Kuschelecke vor, wiewohl das Podest, auf dem dieselbe pflichtschuldigst nun steht, verhindert, dass sich das Teil jemals wieder einfach so ins Eck wird stellen lassen. Neuwirths Strategie lässt sich bis in performative Zusammenhänge weitertreiben. In Wien betreibt die Künstlerin ein ehemaliges Blumengeschäft als Raum für Kunst, Musik, Essen und Trinken. Und bei Eugen Lendl stand zur Eröffnung immerhin auch Bohnensuppe auf dem Programm. UT

Galerie Eugen Lendl, bis 12.9.


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