Meinesgleichen

Regietheater, Regisseurtheater

Falter & Meinung | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

In seinem Nachruf auf Peter Zadek in der Frankfurter Allgemeinem Zeitung schaffte es der Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier, der Salzburger Rede des Schriftstellers Daniel Kehlmanns gegen das Regietheater vornehm zu widersprechen und ihr doch wieder teilweise Recht zu geben. Stadelmaier schrieb: „Peter Zadek, der als Kind aus Deutschland emigrierte Jude und erst in schon reiferen Jahren wieder dorthin Heimgekehrte, der lebenslang Fremde im unheimlich Heimischen, war der hinreißendste, folgenreichste, fantasie- und geistreichste theatralische Diener der Dichter. Er hatte keinen Stil. Das hieß: Er sah von sich ab. So konnte er ein Entdecker sein.

In einer Zeit, in der die jüngeren marktbeherrschenden, längst konventionell und gängig gewordenen dumpf-progressiven Regisseure nie von sich absehen und sich auch auf der Bühne exakt mit dem beschmieren, beschreien, beschallen und bekleckern, was ihnen völlig werk-, text- und figurenunabhängig privatlebensmäßig so durch die Rüben rauscht, wurde ein Zadek unzeitgemäß. Er war ein Riese des Regietheaters. Denn alles Theater, gerade das werk- und textverliebteste, ist naturgemäß Regietheater. Erst durch Regie kommt es zu sich, zu Welt und Leben. Was einem Zadek (und nicht nur ihm) entgegenstand, ist das Regisseurtheater. Es ist das schauerliche Theater der Selbstfüllknirpse, der fantasie- und geistlosen, von allen Dichtern verlassenen Zwerge. Ein mieses Genre. Zadek hat es verachtet und verlacht.“

Quelle:

¦ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. 7. 2009


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