Kommentar

Überfordert und überlastet. Warum Lehrer Hilfe brauchen

Sozialarbeiter an den Schulen

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Früher einmal wurde in den Klassenzimmern fast nur Deutsch gesprochen. Wenn die Schule aus war, gingen die Kinder heim, dorthin, wo die Mutter bereits mit dem Mittagessen auf sie wartete. Und nachmittags spielten die Kids draußen sorglos, von Jugendkriminalität oder Komasaufen war noch nicht die Rede.

Wir leben allerdings nicht mehr in dieser Zeit, sondern im Jahr 2009. Ob es die Stadtregierung wahrhaben will oder nicht: Die Schule muss heute ganz andere gesellschaftliche Aufgaben übernehmen.

Doch gerade hier fehlt es an konkreten Konzepten. So kommt es, dass Lehrer zu Sozialarbeitern werden. Statt zu unterrichten, telefonieren sie mit dem Jugendamt. In der Sprechstunde warten sie oft vergebens, dass die Eltern auftauchen. Und nach dem Unterricht sind viele Kinder völlig sich selbst überlassen. Besonders problematisch ist es dort, wo Eltern das Geld fehlt, um sich Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe oder Freizeit mit ihrem Kind zu leisten. Zum Beispiel im 15. Bezirk. Im ärmsten Teil Wiens wurde eine Studie erstellt, die dieses Bild bestätigt: nämlich dass viele Lehrer überfordert und überlastet sind.

Die Grünen fordern nun umso lauter Sozialarbeiter. Das macht Sinn. Denn sie wären eine Schnittstelle zwischen Elternhaus, Jugendamt und Lehrern – und im Gegensatz zu Pädagogen sind sie auch eigens für diese Tätigkeit ausgebildet.

Die Schule ist eben kein starres Konstrukt. Sie muss sich gemeinsam mit der Gesellschaft verändern. Das ist übrigens auch einer der Gründe für den Erfolg der finnischen Gesamtschule: Dort arbeiten nicht nur Lehrer, sondern auch Sozialarbeiter. Weil Bildung nicht das Einzige ist, was viele Kinder brauchen.


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