Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Herr Wiedner, warum warnen Sie als Postler vor Ausländern?

100.000 Unterschriften waren notwendig, damit sich der Nationalrat mit dem Post-Volksbegehren befassen muss. Initiator Manfred Wiedner, Chef der Christgewerkschafter bei der Post, hat dieses Ziel erreicht.

Herr Wiedner, was möchten Sie mit Ihrem Volksbegehren bewirken?

Zum einen wollen wir, dass die Infrastruktur im ländlichen Raum erhalten bleibt. Zumindest 1300 Postämter sollen weiterhin mit eigenem Personal geführt werden. Und zweitens möchten wir, dass private Zusteller ihre Mitarbeiter nach demselben Kollektivvertrag bezahlen müssen wie die Post. Unsere Briefträger sollen Briefträger bleiben und nicht von Turnschuhbrigaden und Scheinselbstständigen aus dem Ausland ersetzt werden.

Zum Radiosender FM4 haben Sie gesagt, dass Sie nicht „irgendwelche Ausländer“ als Postler wollen. Wie meinen Sie das?

Ich meine, es soll kein Lohndumping stattfinden und Ausländer sollen nicht missbraucht werden, indem man sie herholt und als Scheinselbstständige um wenig Geld arbeiten lässt. Es kann jeder Ausländer hier tätig sein, aber er soll ein anständiges Dienstverhältnis bekommen.

Ist die Schließung von Postämtern wirklich so schlimm? Immerhin werden sie durch private Post-Partner ersetzt.

Diese Post-Partner haben laut dem Regierungsentwurf aber nur maximal 20 Stunden pro Woche geöffnet. Und alles, was sie anbieten müssen, ist Briefe bis zwei Kilo und Pakete bis zehn Kilo anzunehmen sowie Einschreibsendungen und Wertbriefe.

Mehr muss der Post-Partner nicht tun?

Nein. Und mehr wird er auch nicht machen. Das ist schließlich kein lukratives Geschäft, sonst würde es die Post nicht abgeben.

Welche Services übernimmt der private Partner zum Beispiel nicht?

Die ganzen Finanzdienstleistungen und die Mobilkom- oder Telekom-Angebote. Das betrifft vor allem den ländlichen Bereich, wo es nicht überall Telekom-Shops oder irgendeinen Mediamarkt gibt.

Interview: Ingrid Brodnig


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