Als Wiens weiblicher Proust nach dem Krieg heimkehrte

Politik | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Hilde Spiels „Rückkehr nach Wien“ ist betörend klug und schön geschrieben. Nach 40 Jahren erscheint endlich eine Neuauflage

Rezension: Julia Kospach

Als sie Ende Jänner 1946 nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder österreichischen Boden betritt, notiert Hilde Spiel in ihrem Tagebuch: „Das Bewusstsein, hier nicht mehr herzugehören, ist aus Schmerz und Befriedigung gemacht.“ Sie ist 35 Jahre alt und kommt in der Uniform der britischen Armee.

Die renommierte linksliberale Zeitung New Statesman, in der sie seit zwei Jahren endlich ihre Essays und Kritiken veröffentlichen konnte, schickt sie neun Monate nach Kriegsende als „War Correspondent“ in ihre bombenzerstörte Heimatstadt Wien.

Österreich hatte die Tochter aus gutbürgerlichem, jüdischem Wiener Haus 1936 verlassen – sie ging, um in England den deutschen Schriftsteller Peter de Mendelssohn zu heiraten. Sie ging aber auch, weil sie das politische Klima des Austrofaschismus und erstarkenden Nationalsozialismus, die Ermordung


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