Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Bernhard Riedmann | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Wieso feiert sich die Familie Putz selbst, Herr Sicheritz?

Angeblich soll Max Putz wirklich gewählt worden sein. Damals, bei der Bundespräsidentenwahl 2004, und angeblich kennen heute 94 Prozent der Österreicher den Möbelhausbewohner samt seiner Werbefamilie. Zwei Prozent weniger kennen den Herrn, der dann tatsächlich in die Hofburg einzog.

Vor zehn Jahren inszenierte Regisseur Harald Sicheritz den ersten Spot für XXXLutz. Die Idee stammt von Rosa Haider-Merlicek von der Agentur Demner, Merlicek & Bergmann. Das Möbelhaus mutierte in diesen Jahren zum zweitgrößten der Welt, und eine ebenso erstaunliche Entwicklung durchlebte die Familie Putz in den bisherigen 130 Spots. Sie habe sich verselbstständigt, meint Sicheritz. Die Putz unterschrieben den Staatsvertrag, landeten auf dem Mond, bewarben sich um das Amt des Bundespräsidenten und fragten sich während einer Eurofighter-Pressekonferenz: „Wer soll denn das bezahlen?“

Sicheritz arbeitet wie ein Chirurg. Einer, der die österreichische Seele in Filmen und Serien wie „Muttertag“, „Kaisermühlen Blues“ und „MA 2412“ sezierte, Stereotypen aufdeckte und großzügig mit ihnen spielte.

So funktioniert wohl auch das Konzept der Lutz-Werbelinie – bloß umgekehrt. In Spanien würden die Spots so wohl nicht ankommen, meint Sicheritz. „Für mich hat der Erfolg auch damit zu tun, dass es das österreichische Fernsehen seit den 80ern nicht schafft, eine Fernsehfamilie zu etablieren und den Menschen eine Identifikationsfläche zu bieten“, meint er.

Jeder Kunde erhält zurzeit die gesammelten Abenteuer der Putz gratis auf DVD. Auf www.xxxlutz.at findet man sie ebenso und kann gleich online gratulieren. Als Belohnung gibt’s ein Kaffeehäferl. Wichtig: Schön freundlich gratulieren, sonst wird’s nämlich nicht veröffentlicht. Und Häferl gibt’s dann auch keines.


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