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Pressekolumne

Medien | Martin Gantner | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

„Das überschreitet meine fachliche Kompetenz“, gesteht Ludwig Adamovich, Leiter der Kampusch-Evaluierungskommission, in einem Interview mit der Kronen Zeitung freimütig ein. Die Redakteurin Lara Theiss wollte mit ihrer ersten Frage von Adamovich nämlich wissen, ob es denn dem einstigen Entführungsopfer Kampusch heute zumutbar sei, „dass die Sache noch einmal aufgerollt wird“. So weit, so gut, würde Theiss mit ihren folgenden Fragen nicht „zumuten“ und Adamovich mit seinen Antworten nicht „aufrollen“ und bedenkenlos die „Hypothese“ formulieren, dass es schon denkbar sei, „dass diese Gefangenschaft allemal besser war als das, was sie zuvor erlebt hat“. Schließlich wisse man ja, dass Kampuschs Mutter vor der Gefangenschaft nicht eben zärtlich mit ihrer Tochter umgegangen sei. So muss die abschließende Frage erlaubt sein, ob dieses Interview nicht die soziale Intelligenz des ehemaligen Verfassungsgerichtshofpräsidenten infrage stellt. Denn am Ende des Interviews stehen bloße Verdachtsmomente und keine Beweise.


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