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Medien | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Die Handy-Uhr: ein Spielzeug für Nerds

Prüfbericht: Thomas Vašek

Es gibt Produktideen, die liegen dermaßen auf der Hand, dass sie einfach nicht funktionieren können. Zum Beispiel die Handy-Uhr. Der Ansatz könnte einleuchtender nicht sein: Statt das Handy in Jacken- oder Handtasche verstauen zu müssen, trägt man es am Handgelenk. So kann es nicht verlorengehen oder herunterfallen. Man hat es ständig in Sichtweite und griffbereit (zumindest mit der anderen Hand). Armbanduhr und Handy scheinen also wie füreinander geschaffen. Fragt sich nur: Warum will niemand so etwas tragen? Am Angebot liegt’s nicht. Mittlerweile sind einige Modelle erhältlich, interessanterweise vor allem von chinesischen Herstellern. Die meisten haben Freisprecheinrichtung, Bluetooth und Kamera. Das S9110 von Samsung, das demnächst auf den Markt kommt, hat sogar einen Touchscreen, Spracherkennung und zwei Gigabyte Speicherkapazität. Meine Voraussage: Auch dieses Uhrenhandy wird niemand haben wollen. Warum? Weil jedes Uhrenhandy beziehungsweise jede Handy-Uhr ein wenig an die klassischen digitalen Armbanduhren erinnert. In meiner Schulklasse waren diese Uhren bei jenen vielversprechenden Jungs angesagt, die man heute Nerds nennt (die mit Aktenkoffer, Sozialphobie und Programmierhobby). Ich fürchte, Uhrenhandys sind und bleiben etwas für diese Spezies. Und eventuell für Geheimagenten. James Bond hatte auch so etwas. Aber wenn ich mich recht erinnere, konnte seine Uhr wenigstens schießen!

Thomas Vašek ist Chefredakteur des PM-Magazins und rezensiert für den Falter jede Woche Mediengadgets


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