Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Comic der Welt der Woche

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Was Salman Rushdie im Mak sucht

Das Wiener Museum für angewandte Kunst (Mak) machte sich in den letzten Jahren einen Namen als Museum für zeitgenössische Kunst. Die kunstgewerbliche Sammlung trat in den Hintergrund.

Nun haben sich die Wächter der Mak-Schätze zusammengetan, um ein Fest zu feiern. Die Ausstellung „Global:Lab“ ist eine großartige Hommage an das Museumsdepot. Hier sind Jahrhunderte vergessener Geschichte gespeichert, Modelle der Weltbetrachtung, die sich heute vom Status des kunstgewerblichen Belegexemplars emanzipieren: chinesische Paravents mit Schlachtenszenen, die sich zwischen Meereswogen und Hügellandschaften ausbreiten. Oder die persischen, afghanischen und usbekischen Miniaturen, Kalligrafien und Gewänder. Welten zuhauf.

Im Mittelpunkt der Ausstellung über ästhetische Austauschverhältnisse zwischen Orient und Okzident steht eine vom indischen Mogul Akbar in Auftrag gegebene Bildserie aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Über 100 Künstler malten 20 Jahre lang die Abenteuer von Amir Hamza, dem Onkel des Propheten Muhammad. Von den insgesamt 1400 Blättern sind 200 erhalten geblieben. Das Mak besitzt mit 60 Blättern das größte Konvolut.

Der Schriftsteller Salman Rushdie nennt das Bildepos „das größte, je in Indien geschaffene Meisterwerk und einen Meilenstein im Kanon der gesamten Kunst“.

Tatsächlich kommt man angesichts dieser fantastischen, in Farben und Formen schwelgenden Blätter aus dem Staunen nicht mehr heraus. Gärten, Paläste, Kleider und Mauerwerk werden zu Erzählteppichen verwebt, auf die sich Geschichten von Prinzessinnen, Spionen und Zauberern verteilen. Das Werk wird so präsentiert, dass auch die literarische Vorlage auf der Rückseite zu sehen ist.

Durch die Luft wirbelnde Elefanten, geköpfte Riesen und farborgienspeiende Drachen: Vor dem Einschlafen hat Fürst Akbar wohl nicht in dem grandiosen Comic geblättert.


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