Johnny Depp & Co agieren beherzt, aber „Public Enemies“ wird die eigene Virtuosität zum Verhängnis

Feuilleton | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Filmkritik: Michael Omasta

Er hatte keinen Spitznamen nötig. Während die Sensationspresse seine kriminellen Zeitgenossen mit Namen à la „Pretty Boy“ Floyd, „Machine Gun“ Kelly, „Baby Face“ Nelson bedachte, wurde John Dillinger einfach zu Amerikas Staatsfeind Nummer eins. „I’m John Dillinger. I rob banks“, stellt Johnny Depp sich in der Rolle des Staatsfeinds, der auch das Zeug zum Volkshelden gehabt hätte, einmal vor. Die legendären Gangster der frühen 1930er galten, in der populären Vorstellungswelt zumindest, als moderne Robin Hoods, die nur zurückholten, was Banken und Wallstreetmagnaten dem Land in der großen Depression geraubt hatten.

„Public Enemies“ basiert auf Bryan Burroughs penibler 500-Seiten-Recherche gleichen Namens, setzt aber wie alle seine Vorläufer weniger auf Facts als auf Fiction. Max Nosseck erzählte Dillingers unrühmliche Geschichte 1945 binnen 70, John Milius 1973 in 96 Minuten; Michael Mann nun braucht zweieinhalb Stunden und tut sich damit weder als Regisseur noch als Drehbuchautor einen Gefallen.

Die versammelten Stars, neben Johnny Depp noch Christian Bale und Billy Crudup, agieren beherzt; die Kamera von Dante Spinotti, der schon Manns härtere Arbeiten von „Manhunter“ über „The Last of the Mohicans“ bis „Heat“ ins Bild setzte, ist großartig, und die Ausstattung schlicht ein Triumph. Vielleicht ist es aber genau diese Virtuosität, mit der hier nicht nur die Geschichte eines Gangsters, sondern auch die seiner öffentlichen Wahrnehmung, der Gründung des FBI und eines Kapitels der Depressionszeit zu erzählen versucht wird, die den Film zu einer ungut prätentiösen Angelegenheit macht. Dabei wäre die Sache doch so einfach! „Ich mag Filme, Baseball, schnelle Autos, feine Klamotten und dich“, baggert Depp-Dillinger die Frau seines Herzens an. „Was willst du sonst noch wissen?“

Ab 7.8. in den Kinos (OF in Burg und Haydn)


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