Starke Frau

Stadtleben | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

In Nigeria war sie eine Wassergöttin. In Wien hilft sie Zwangsprostituierten. Vor Joana Adesuwa Reiterer fürchten sich jetzt Menschenhändler. Gut so

Porträt: Sibylle Hamann

Vielleicht war es der Moment, als ihr damaliger Ehemann sie anherrschte, ihm das Essen kniend zu servieren. So verlangt es die Tradition in Nigeria. Aber hier in Europa? In der düsteren Wohnung in Hernals? „Knie nieder, wenn du den Teller hinstellst“, befahl Tony noch einmal. Seine Freunde saßen höhnisch grinsend neben ihm auf dem abgewetzten Sofa, Joana war fassungslos. In diesem Moment ahnte sie, dass etwas Entscheidendes an dieser Ehe nicht stimmte.

Als sie Tony in Benin kennengelernt hatte, war Joana eine quirlige Frau Anfang 20 und führte eine Modeboutique. Tony schien weltgewandt und erfolgreich; er sagte, er sei Besitzer eines Reisebüros. Sie sollte zu ihm nach Wien ziehen, kochen, ihm bei der Arbeit helfen und Söhne gebären. Vom Knien war nicht die Rede gewesen.

Joana mochte Tony. Sie schaute sich


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