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Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Halleluja, wir sind auf der Liste!

271 Hilfsorganisationen stehen auf der Liste des Finanzministeriums. Wer künftig an diese Organisationen spendet, kann dies steuerlich absetzen. Um auf die Liste zu gelangen, müssen Organisationen „mildtätige Zwecke, Zwecke der Entwicklungszusammenarbeit oder der Katastrophenhilfe“ erfüllen, seit drei Jahren bestehen und die Bestätigung eines Wirtschaftsprüfers abgeben. Nicht in diese Kategorie fällt etwa Amnesty International. Zwar wurde das Engagement für Folteropfer als mildtätig gewertet, nicht aber die sonstige humanitäre Arbeit von Amnesty.

Überhaupt scheint das Finanzministerium „mildtätig“ oft in religiösem Sinne auszulegen, hat doch ein beachtlicher Teil der begünstigten Organisationen religiösen Background. So finden sich dort Missio, die päpstlichen Missionswerke. Vor zwei Jahren tourten sie mit einer „Aufklärungskampagne“ durch Schulen, in der erhöhter Kondomverbrauch mit einer höheren Zahl an Aidskranken in Verbindung gebracht wurde (Falter 8/07).

Ebenfalls auf der Liste: die christliche Vineyard-Gemeinde in Graz. Auf der Homepage finden sich keine konkreten Beispiele für die Mildtätigkeit der Gemeinschaft, außer dass sie sich im Marienstüberl der Caritas einbringt. Darüber hinaus fielen Prediger Paul Miller auf Anfrage ad hoc keine milden Taten ein. Vielleicht zählt ja Wunderheilen dazu? Darin hat Vineyard Erfahrung, wie auf der Homepage zu lesen ist. Durch Gebete werden etwa zu kurze Beine, Krebs und sogar ein Geschirrspüler geheilt: „(…) nach etwa 20 Minuten kam mein Sohn her und sagte: ‚Mama! Halleluja! Halleluja!‘ Er zog mich zum Geschirrspüler hin und zeigte mir, dass dieser zu tropfen aufgehört hat.“

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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