Neu im Kino

„Momma’s Man“— der schönste Film des Sommers

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Ein junger Mann, frischgebackener Vater, besucht seine Eltern in New York. Zurück im Appartement seiner Jugend kriecht er ins eigene Kinderzimmer, liest Liebesbriefe aus Teenagertagen, zupft verträumt die Gitarre und verweigert die Rückkehr in den Erwachsenenalltag zu Frau und Kind. Ganz plastisch versagen ihm die Beine den Dienst, sobald er sich der Treppe nähert. Luis Buñuels obskure Partyblockade aus „Der Würgeengel“ lässt ebenso grüßen wie Franz Kafkas Raumfantasien: „Eine der süßesten, traurigsten Geschichten, die Kafka nie schrieb“, nannte die Village Voice Azazel Jacobs „Momma’s Man“, und mit ihrer hymnischen Kritik steht sie nicht alleine da: Mit seinem dritten Spielfilm nach „Nobody Needs to Know“ (2003) und „The Good Times Kid“ (2005) gilt der 36-Jährige zu Recht als neue Hoffnung des US-Autorenkinos.

Als Zusatzinformation kann man wissen, dass Azazel der Sohn der Fotografin Flo Jacobs und des Avantgardefilmemachers Ken Jacobs ist – und diese auch gleich in der Rolle der Eltern besetzt hat. Die Super-8-Filme, die im Film zu sehen sind, stammen aus dem Werk von Vater Ken. Die wunderbar labyrinthische Wohnung, in der gedreht wurde ist tatsächlich das Habitat des Künstlerehepaars, eine ehemalige Lagerhalle in TriBeCa, in deren gigantischer Raumhöhe die beiden jahrzehntelang turmhoch Dinge angesammelt haben. Derart mit Bedeutung angefüllt bildet sie den Gegenpol zu Mikey (Matt Boren), der auch mit Mitte 30 nicht weiß, was Leben für ihn heißt.

Eine zartfühlende Humoreske über das Erwachsenwerden, die der New Yorker Boheme der 70er-Jahre inhaltlich wie formal liebevoll Respekt zollt. Und, ja: der vermutlich schönste Film des Sommers.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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