Buch der Stunde

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 32/09 vom 05.08.2009

Beschädigte Figuren, die dem Leser die Identifikation sehr schwer machen, bevölkern das Werk von Peter Rosei. Mit seinem neuen Roman „Das große Töten“ gelingt ihm nun, was er zuletzt schon mit „Wien. Metropolis“ (2005) angepeilt hatte, damals aber noch nicht so recht glückte: einen großen Roman über Wien und Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg in stark verdichteter Form zu schreiben. Den Stoff, der bei vielen Kollegen für einen Wälzer von 500 Seiten gereicht hätte, bringt Rosei auf 156 Seiten unter, ohne den Text zu überfrachten. Davor schützt ihn die knappe, mithin schmucklose Sprache. Literatur ist für Rosei nicht die Kunst schöner Worte, sondern ein Versuch, sich im Kleinen die Welt zu erklären, ohne zu moralisieren. Über weite Strecken liest sich „Das große Töten“ so, als würde man die Versuchsanordnung eines Verrückten beobachten. Ihr Name: Österreich II.

Im Mittelpunkt der Geschehnisse befinden sich zwei Außenseiterfiguren. Paul wächst in bäuerlichen


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