Meinesgleichen

Armin und die Umwertung aller Werte

Falter & Meinung | aus FALTER 33/09 vom 12.08.2009

Dem von Arminius bemühten Freiheitsbegriff bringt Tacitus (römischer Historiker, Anm. d. Red.) durchaus Sympathie entgegen, doch einen entsprechend edlen Charakter bzw. die Verfolgung eines ausschließlich höheren Zieles attestiert er dem Cherusker nicht: Angeborene Gewalttätigkeit habe Arminius ausgezeichnet; er sei ein Unruhestifter gegen das Bestehende gewesen und zudem jemand, der allein von unruhigen Zeiten habe profitieren können und diese Konflikte deshalb gefördert habe.

Wenn Arminius schließlich bezichtigt wird, für sich persönlich die Königsherrschaft erlangen zu wollen, so steht eine solche Position nach römischem Verständnis in eklatantem Gegensatz zu dem von Arminius beanspruchten Freiheitsgedanken: In der Umwertung aller Werte gerät damit auch der von Arminius ausgefochtene Kampf um die Freiheit unter den Verdacht, in Wahrheit nicht mehr als ein Instrument zur Errichtung einer eigennützigen Alleinherrschaft gewesen zu sein.

Tatsächlich scheint es so gewesen zu sein, dass Arminius seine Anhänger vor allem immer erst durch den Verweis auf den Gegner mobilisieren konnte, so dass Konflikte das Fundament seiner Führerstellung bildeten. Der gelungene Überfall auf Varus war der Ausgangspunkt für die Erlangung dieser Führungsposition.“

So klingt bei einem seriösen Althistoriker und Archäologen 2009 die Annäherung an den historischen Arminius. Aber was fangen die Rechten damit an?

Quelle:

Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. C.H. Beck, 255 S., € 19,90


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